Sollte man noch ein Diesel-Auto kaufen?

Fahrverbote, Feinstaub und eine fragwürdige Zukunft – lohnt sich der Kauf von Dieselfahrzeugen wirklich noch?

In immer mehr Städten droht in den nächsten Jahren ein Fahrverbot für Dieselautos in Kraft zu treten. Bei hoher Feinstaub-Belastung müssen Fahrer von Dieselautos ihre Fahrzeuge stehen lassen und auf Alternativen umsteigen. Doch noch ist der Dieselkraftstoff an den Tankstellen deutlich billiger als normales Benzin. So ist die Frage nach dem richtigen Antriebskonzept für viele Autobesitzer nicht einfach zu beantworten.

Diesel: Fahrverbote bei hoher Feinstaubbelastung drohen

Aktuell werden in über 80 deutschen Städten regelmäßig die Grenzwerte für Feinstaub überschritten. Stuttgart ist für das Problem schon lange sensibilisiert, aber ganz aktuell hat auch München (im Juni 2016) konkrete Pläne für ein Fahrverbot für Diesel-Fahrzeug auf der Agenda. Kein Wunder, dass die Diskussion um Fahrverbote ständig an Intensität gewinnt. Die erste Stadt die nun ernst macht, ist die Stuttgart. Die Hauptstadt von Baden-Württemberg erwägt ab dem Jahr 2018 bei hoher Feinstaub-Belastung Fahrverbote für Dieselfahrzeuge einzuführen. Doch Stuttgart wird mit Sicherheit nicht die einzige Großstadt sein, die verkehrstechnische Konsequenzen ziehen wird, um die Gesundheit ihrer Einwohner zu schützen.

Lediglich neue Euro-6-Diesel erfüllen strenge Abgasnormen

Ärgerlich ist, dass das geplante Fahrverbot auch Dieselautos betreffen soll, die vor wenigen Jahren noch als saubere Alternative zu Benzinern galten. So soll das Fahrverbot für alle Dieselautos gelten, die nicht die blaue Plakette erhalten. Letztere erhalten aktuell nur Fahrzeuge, die die Euro-6-Norm erfüllen. Die strengen Anforderungen der Euro-6-Norm bilden aber bereits für wenige Jahre alte Diesel bereits eine unüberwindbare Hürde. Und die Umrüstung für ältere Dieselfahrzeuge ist meist nicht möglich oder unwirtschaftlich.

Die Verkaufszahlen von Diesel-Fahrzeugen sinken rapide

Doch nicht nur aufgrund der drohenden Fahrverbots sind die Verkaufszahlen von Diesel-Autos deutlich rückläufig. Der VW-Skandal hat einen nicht zu unterschätzenden Beitrag am Niedergang der einst so geliebten Dieselfahrzeuge, die mit starken Motorleistungen und sehr niedrigem Verbrauch glänzten. Im Vergleich zum Vorjahr sind 2017 die Zulassungszahlen für Diesel-Autos um etwa 20% eingebrochen. Ein Ende dieses Trends ist aktuell nicht in Sicht, zumal auch die Politik dem Diesel deutlichen Gegenwind ins Gesicht bläst. So hat die EU im Jahr 2016 Klage gegen Deutschland eingereicht, da immer mehr Städte regelmäßig die Grenzwerte für Ozon und Feinstaub überschreiten.

Erste Hersteller distanzieren sich vom Diesel

Und auch immer mehr Hersteller bekommen angesichts der Entwicklung beim Diesel weiche Knie. So hat Volvo angekündigt, in naher Zukunft keine Diesel-Autos mehr produzieren zu wollen. Die Verkaufszahlen und die strengen Umweltauflagen werden weitere Hersteller folgen lassen. Das sinkende Interesse am Diesel wird auch den Gebrauchtwagenmarkt mit hoher Sicherheit hart treffen. So wird der Wertverlust der Dieselfahrzeuge viele Neuwagenkäufer vom Kauf eines neuen Selbstzünders abschrecken.

Wann lohnt sich ein Diesel wirklich noch?

Bisher profitieren Dieselkäufer nicht zu knapp vom geringen Wertverlust ihres Autos, der die Anschaffung eines Diesels erst wirklich wirtschaftlich sinnvoll macht. So haben Dieselfahrzeuge zwar einen deutlich geringeren Verbrauch und die Halter profitieren von der steuerlichen Subventionierung des Dieseltreibstoffs, doch hohe Steuern, Versicherungsbeiträge und Anschaffungskosten reduzieren diesen Vorteil deutlich. So rechnet sich ein Diesel meist erst ab einer jährlichen Fahrleistung von mehr als 20.000 Kilometern. Sparsame Benziner und Hybrid-Autos, machen den finanziellen Vorteil eines Diesels aber bereits jetzt fraglich. Kurzum: Dieselfahrzeuge sind eigentlich bereits heute nur noch für Vielfahrer interessant. Das Risiko, bald nicht mehr in die Innenstädte fahren zu dürfen, reduziert den Anreiz zum Kauf eines Diesels aber auch für diese Zielgruppe deutlich.