Soll man noch Diesel-Autos kaufen?

Im nächsten Jahr wollen mehrere Städte ein Fahrverbot für bestimmte Diesel-Autos an bestimmten Tagen einführen. Soll man da noch ein Auto mit Diesel-Motor kaufen? Welche Städte planen dies? Wann droht ein Fahrverbot? In diesem Artikel gibt es alle relevanten Infos.

Alles zu den Fahrverboten

Ab wann und wo droht ein Fahrverbot?

Stuttgart erwägt, ab dem Jahr 2018 Fahrverbote für bestimmte Diesel-Fahrzeuge einzuführen, wenn die Feinstaub-Belastung Grenzwerte überschreitet. Dies wäre ein Exempel, da dies die erste Stadt mit einer rigorosen Regelung wäre. Da derzeit aber ca. 80 Städte in Deutschland bereits jetzt schon regelmäßig die Grenzwerte für die Luftbelastung (gerade die Stickoxid-Werte) überschreiten, ist zu erwarten, dass weitere Städte dem Beispiel Stuttgarts folgen werden.

Welche Fahrzeuge/Motoren sind betroffen?

Geplant ist, dass im Falle eines Diesel-Fahrverbots nur noch Fahrzeuge mit der Euro-6-Norm (blaue Plakette) in der Stadt fahren dürfen. Diesel-Fahrzeuge mit der Euro-5 Norm (grüne Plakette) wären vom Fahrverbot betroffen und dürfen im Stadtgebiet während des Fahrverbots nicht mehr fahren.

Man merkt bereits jetzt Auswirkungen im Kaufverhalten

Zum Einen hat der VW-Diesel-Skandal um manipulierte Tests das Vertrauen der Nutzer und das Image der Diesel-Technologie gestartet. Zum Anderen hat die EU im Jahr 2016 Klage gegen Deutschland eingereicht, weil mehrere Städte regelmäßig die Grenzwerte für Ozon- und Feinstaub-Belastung überschreiten. Da stellt sich die Frage, ob Käufer sich trotzdem wie bisher für den Diesel-Motor entscheiden: ein Vergleich der Verkaufszahlen vom April 2017 mit den Zahlen vom April 2016 zeigt aber, dass im Verhältnis 20% weniger Diesel-Fahrzeuge bei PKWs verkauft wurden. Dies ist für den Zeitraum nur eines Jahres ein überraschend hoher Einbruch. Es gab zwar auch früher ab und zu signifikante Einbrüche in den Verkaufszahlen, allerdings waren dort keine derart konkreten Gründe vorhanden und das Verkaufsverhalten hat sich im Laufe der Zeit normalisiert. Experten erwarten auch dieses Jahr eine leichte Verbesserung der Verkaufszahlen der Diesel-PKWs, gleichzeitig warnen viele dieser Experten aber, dass der Einbruch sich langfristig fortsetzen wird.

Besonders wird in dem Zusammenhang darauf hingewiesen, dass sich die Preise auf dem Gebrauchtwagenmarkt bereits verschlechtern und es könnte sogar sein, dass sich dieser Trend noch verschärft.

Wie reagieren Fahrzeughersteller?

Volvo ist der erste Hersteller, der plant, sich vom Diesel-Motor zu verabschieden. Experten erwarten, dass in den nächsten zwei Jahren weitere Hersteller ähnliche Schritte unternehmen.

Gibt es Pläne zur Umrüstung von Euro-5-Fahrzeugen?

Theoretisch wäre es möglich, ein Euro-5-Fahrzeug (grüne Plakette) so umzurüsten, dass man eine Euro-6-Plakette (blau) vergeben könnte. Doch ist die Frage, wer die Kosten tragen soll? Privatleute werden dies sicher in den meisten Fällen nicht übernehmen. Denkbar wäre also einerseits, dass Hersteller gesetzlich verpflichtet werden oder dass die Politik über externe Anreize (ähnlich der Elektro-Kaufprämie) eine Umrüstung zumindest teilweise subventionieren könnte. Doch werden diese Verhandlungen sicher sehr lange brauchen und wie sie ausgehen und ob man als Diesel-Fahrzeug-Besitzer überhaupt eine Unterstützung erfahren wird, ist noch komplett offen.

Wann lohnt sich ein Diesel-Motor?

Diesel-Fahrzeuge sind sowohl im Kaufpreis als auch in der jährlichen Steuer teurer als Benziner. Im Gegenzug ist Diesel-Treibstoff billiger als Benzin. Die Ersparnis beim Tanken ist aber effektiv kleiner, als sie auf den ersten Eindruck wirkt. Aufgrund der höheren Kosten für das Fahrzeug gilt daher die Faustformel, dass sich die Anschaffung eines Diesel-Fahrzeugs erst ab einer jährlichen Fahrleistung von ca. 15.000 bis 20.000 km/Jahr lohnt. Je kleiner das Fahrzeug, desto geringer ist der Verbrauch, die Fahrleistung muss dort also eher im Bereich ab 20.000km je Jahr liegen, damit ein Diesel-Motor sich bei einem Kleinwagen lohnt.

Fazit:

Stadtbewohner: Wer in Großstädten wohnt, sollte sich, wenn überhaupt, nur ein Auto mit der Euro-6-Norm kaufen, aber auf keinen Fall einen Wagen mit Euro-5-Plakette. Da aber aus den oben genannten Gründen mittelfristig mit einem Preisverfall bei Dieselfahrzeugen zu rechnen ist, muss man schon eine extrem hohe jährliche Fahrleistung erbringen (wie es typischerweise Handelsvertreter tun), damit sich ein Diesel über mehrere Jahre überhaupt noch rechnen kann. Für Otto-Normalverbraucher empfehlen wir eher, sich lieber kein Diesel-Fahrzeug anzuschaffen, sondern lieber auf einen günstigen Benziner zu setzen und diesen gegebenenfalls in einigen Jahren gegen bessere Elektro-Fahrzeuge auszutauschen.

Landbevölkerung: Da man hier nicht vom Fahrverbot betroffen ist, muss man sich ausschließlich Gedanken über einen eventuellen Wiederverkaufswert des Diesel-Fahrzeugs Gedanken machen. Wer also sein Auto sehr lange fährt (über 10 Jahre), kann sehr wahrscheinlich weiterhin mit einem Diesel-Motor gut leben.